Viernheim

Vortrag Pfarrer Klaus Deckenbach berichtet von seiner abenteuerlichen Reise als Schreinergeselle durch 40 Länder der Erde

Wanderjahre erweitern Horizont

Archivartikel

viernheim.„Hoffentlich überlebe ich das! Ich möchte doch meine Familie wiedersehen. Mein Zuhause. Was mache ich hier eigentlich? Warum habe ich mich auf diese Reise eingelassen?“ Diese Fragen stellte sich der im Bürstädter Stadtteil Riedrode aufgewachsene Klaus Deckenbach mitten auf dem zweitlängsten Fluss Afrikas, dem Kongo. Von den außergewöhnlichen Erlebnissen seiner fünfjährigen Walz berichtet der frühere Schreinergeselle und heutige Pfarrer bei einem besonderen Gottesdienst der Freien evangelischen Gemeinde.

Deckenbach erzählt, wie er von Malariaschüben geschüttelt an Deck eines Frachtschiffes lag. Mit rund 150 weiteren Passagieren und zahlreichen Tieren schipperte er über den rund 4300 Kilometer langen Fluss. Ein Soldat mit Gewehr im Anschlag sei über ihn hinweg gestiegen, so der Referent. Und kurz darauf habe er gehört, wie jemand zusammengeschlagen und anschließend ins Wasser geworfen wurde.

So beschreibt Klaus Deckenbach auch in seinem Buch „Querweltein“ seine abenteuerlichen Wanderjahre als junger Handwerker. Die außergewöhnliche Reise führte ihn in 40 Länder, 27 davon in Afrika. Nicht nur bei der Situation auf dem Kongo habe er sich in Lebensgefahr befunden, sagt Deckenbach. Er habe unter anderem Überfälle, Wurmerkrankungen und Malaria überstanden und sei von der Polizei ins Gefängnis geworfen worden.

Handwerker auf der Walz, zumeist Zimmerleute, verpflichten sich, drei Jahre und einen Tag ihrem Heimatort nicht näher als 50 Kilometer zu kommen. Ziel der Wanderschaft von Handwerksbetrieb zu Handwerksbetrieb ist es, die beruflichen Fertigkeiten zu erweitern, eine praxisnahe Lebensschulung zu erfahren und einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten.

Mit viel Anschauungsmaterial – etwa der Walzkleidung und seinem Gepäckbündel – stellt er nicht nur seine Erlebnisse von 1988 bis 1993 dar, sondern auch, wie die Erfahrungen seine Weltsicht, seinen Glauben und seine Persönlichkeit verändert haben. „Rückblickend auf meine Reise bin ich sehr dankbar, dass ich überhaupt noch am Leben bin“, schreibt Klaus Deckenbach im Schlusskapitel seines Buches. Er sei froh, dass er den Mut aufgebracht habe, sich auf diesen besonderen Lebensstil einzulassen. Und er sei dankbar für die Menschen, die ihm über den Weg gelaufen seien und ihm in ganz unterschiedlicher Form von ihrem Glauben an den lebendigen Gott erzählt hätten.

Vor seiner Walz habe er sich noch nicht sehr für Glaubensfragen interessiert, berichtet Deckenbach. Bei seiner ersten Station in Rottweil habe er sich aber auf dem Flohmarkt eine Bibel gekauft, in der er während seiner abenteuerlichen Reise immer wieder gestöbert habe.

Auf dem Weg zum Glauben

Deckenbach spricht von drei Erfahrungen, die ihm den christlichen Glauben nähergebracht hätten: „die atemberaubende Natur als Gottes Schöpfung, die wundersamen Rettungen aus Lebensgefahr und Not sowie die häufigen intensiven Gespräche mit Menschen, die von Jesus erzählten und sich zum Glauben bekannten“. Als Beispiele nennt der Autor Prediger in der St. Gallener Innenstadt oder in einem südafrikanischen Zug, die Bibelstunden im Amsterdamer Männerwohnheim und ein Pärchen, das mitten im Kapstadter Nachtleben von Jesus erzählt habe. Dadurch sei sein Interesse am christlichen Glauben geweckt worden. Eine schwere Krankheit mit einer Notoperation ließ Klaus Deckenbach schließlich die Laufbahn des Pfarrers einschlagen. Er besuchte ein Bibelseminar der Freien evangelischen Gemeinden und absolvierte ein theologisches Fernstudium an der Universität von Südafrika.

Heute lebt Klaus Deckenbach in Höchstädt in Bayern, ist verheiratet und hat vier Kinder. Neben seinen vielen Vorträgen und Seminaren leitet er den Aufbau zweier neuer Gemeinden.

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