Viernheim

Menschen in Viernheim Janik Padam Montanus berät Viernheimer bei der Auswahl ihrer Garderobe / Eigenes Studio als Coach

Warten auf das Leuchten

Viernheim.Schwarze Hose, dunkler Pullover mit V-Ausschnitt, darunter ein weißes Hemd, nicht ganz zugeknöpft. Nichts davon hat Janik Padam Montanus am Morgen einfach so aus dem Schrank gezogen. Für den 22-jährigen Viernheimer sind seine Kleider mehr als nur irgendwelche Teile aus Stoff. Es sind Teile seines Ichs.

"Ich weiß, dass die Farben und Schnitte meiner Kleidung etwas Gutes mit mir machen", sagt er. "Und das schenkt mir Selbstbewusstsein." Montanus ist "Style Coach und Personal Shopper", also Stilberater und persönlicher Einkäufer. In seinem kleinen, ganz in Weiß gehaltenen Studio im zweiten Stock eines Wohnhauses in der Wiesenstraße zeigt er seinen Kunden, welche Farben und Kleidungsschnitte ihnen am besten stehen. Kühles Blau oder warmes Orange? Ethnomuster oder feine Streifen?

"Die falschen Farben lassen einen Menschen kränklich oder blass aussehen", erklärt der Viernheimer. "Die passenden Farben lassen das Gesicht leuchten." Dieses Leuchten zu wecken, die individuelle Schönheit jedes Einzelnen herauszukitzeln, das ist Montanus' Ziel. "Meine Kunden sollen erkennen, dass sie schön sind", sagt der Farbtypberater. Denn er ist überzeugt: Das Wissen um die eigene Schönheit schafft Selbstbewusstsein - im Vorstellungsgespräch, beim romantischen Date oder im Alltag. "Ich möchte den Menschen einen Anstoß zu einer innerlichen Entwicklung geben, zu mehr Selbstsicherheit, mehr Wohlbefinden im eigenen Körper."

Um herauszufinden, welche Farben und Schnitte seinen Kunden am meisten schmeicheln, legt der Stilberater ihnen Tücher in verschiedenen Farben um, fragt nach der Naturhaarfarbe und betrachtet Gesichts- und Körperform im Schein der vielfach verstärkten Tageslichtlampen seines Studios. Eine Analyse, die viel Einfühlungsvermögen erfordert. "Es kommen Frauen und Männer, sensible und weniger sensible. Aber gerade dieses Menschliche macht mir Spaß", sagt Montanus.

Außerdem legt er Wert darauf, dass sein Gegenüber versteht, warum Farben unterschiedlich an ihm wirken, damit er später beim Einkaufen auch wirklich weiß, wonach er am besten greifen sollte. "Ich selbst schaue bei der Beratung gar nicht die Farben an, sondern beobachte nur, was im Gesicht des Kunden passiert", erklärt Montanus. Er wartet auf das Leuchten, den Moment, in dem die richtige Farbe gefunden ist - und der Kunde es auch selbst merkt. Meistens weiß er aber schon, wenn jemand sein Studio betritt, zu welchen Farben er greifen muss. "Dieser Sinn für Farben ist wahrscheinlich einfach ein Talent", meint er schulterzuckend.

Doch der Viernheimer arbeitet nicht einfach aus dem Bauch heraus. In einer dreijährigen Ausbildung zum Modedesigner an der Akademie für Kommunikation in Mannheim hat er alles gelernt, was es über Schnitte und Körpersilhouetten zu wissen gibt. "Lange dachte ich, dass Modedesigner mein Traumberuf ist", erzählt Montanus. "Aber die Modewelt ist mir zu kalt, bei dem extremen Druck geht dort auf die Dauer die Menschlichkeit verloren. Das wollte ich nicht." Als er von der Ausbildung zum "Style Coach und Personal Shopper" an der Professional Style Academy "ti's" in Heppenheim erfuhr, dachte er: "Das ist genau das, was ich machen möchte." Und er wusste: Sein Studio sollte in seiner Heimatstadt sein, obwohl sein Beruf in einer Großstadt vielleicht bekannter ist. "Wenn ich hier sage, was ich arbeite, wollen die meisten sofort wissen, welcher Farbtyp sie sind. Grob kann ich das zwar auf den ersten Blick sagen, aber zu einer richtigen Beratung gehört viel mehr", sagt der 22-Jährige, lächelt dann aber zuversichtlich. "Das wird sich schon noch herumsprechen."

Schließlich hat der Viernheimer erst im Juli sein Studio eröffnet. Dort berät Montanus seine Kunden nicht nur zu Farben und Schnitten, sondern auch zu Naturkosmetika und bietet nach der Beratung gemeinsames Kleiderschrank-Ausmisten mit anschließender begleiteter Einkaufstour an. Dabei hat er immer sein großes Ziel vor Augen: "Mensch und Kleidung sollen ein harmonisches Gesamtbild ergeben. Ich will, dass der Blick des Betrachters von den Kleidern hoch zum Gesicht wandert - und dort bleibt", sagt Montanus. "Das für jemand anderen zu erreichen, erfüllt mich."

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