Viernheim

Gesellschaft I Veranstaltungsreihe „Zusammenhalt in Vielfalt“ bis zum 17. Juni vorgestellt / Kirche und Vereine kooperieren

Was hält Menschen zusammen?

Archivartikel

Viernheim.Deutschland hat sich durch die Zuwanderung, durch den europäischen Einigungsprozess und durch die stärker werdenden weltweiten Verflechtungen verändert. Diese Veränderungen fordern jeden Einzelnen, aber auch die Gesellschaft als Ganzes. Viele stellen sich die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt, nach dem, was Deutschland ausmacht, und wie sie sich in dem veränderten Deutschland geborgen fühlen können.

So ist es auf der Homepage der bundesweiten „Initiative kulturelle Integration“ zu lesen. Unter dem Titel „Zusammenhalt in Vielfalt“ hat diese Initiative 15 Thesen entwickelt, mit deren Diskussion sie einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur kulturellen Integration leisten will.

Bürgermeister Matthias Baaß hat diese Thesen mit unterzeichnet, weil sie genau die Kerngedanken der Viernheimer Integrationspolitik widerspiegeln. Unter diesem Titel „Zusammenhalt in Vielfalt“ gibt es bis zum 17. Juni eine Veranstaltungsreihe in Viernheim mit 38 Veranstaltungen, die dazu beitragen sollen, dass Begegnungen geschaffen werden, damit aus dem Nebeneinander derjenigen, die schon länger hier leben und derjenigen, die erst kürzlich hierher zugewandert sind, ein wahres Miteinander entsteht. Zudem sollen dadurch Informationen auch zu denjenigen Menschen durchdringen, die das Potenzial von Integrationsmaßnahmen noch nicht erkannt haben. Ebenfalls soll dadurch die gleichberechtigte Teilhabe aller Einwohner Viernheims als Bereicherung des Gemeinwesens aufgezeigt und das vielfältige ehrenamtliche Engagement sichtbar – und damit wertgeschätzt werden. Soweit die Pressemitteilung des Rathauses.

An der Organisation der „interkulturellen Woche“ sind die Stadt Viernheim mit Andrea Ewert vom Hauptamt, die katholische Kirchengemeinde St. Hildegard/St. Michael mit Pfarrer Angelo Stipinovich, Gemeindereferent Herbert Kohl und Anke Winkler sowie der Verein Lernmobil mit dessen beiden pädagogischen Leitern Brigitta Eckert und Gerd Baltes beteiligt.

Bei der Vorstellung des Programms nahm Bürgermeister Baaß die viel beachtetet „Mannheimer Rede“ des ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert im Nationaltheater am 23. April dieses Jahres als Ausgangspunkt: „Was hält unsere Gesellschaft zusammen?“ Lammert kam zu dem Schluss, dass der Zusammenhalt einer Gesellschaft durch Kultur gestiftet wird. Kultur verstanden als Mindestmaß an gemeinsamen Erfahrungen, an gemeinsamen Orientierungen und an gemeinsamen Überzeugungen, die meist über Generationen gewachsen sind. Diese müssten aber sowohl immer neu vermittelt, als auch fortgeschrieben werden. Lammert – so Baaß – spreche nicht nur allein von der Beachtung des Grundgesetzes, sondern von gelebter Praxis und von ihrer stetigen Fortentwicklung. Es komme nun darauf an – so Baaß – diesen Wandel zu gestalten. Indem während der interkulturellen Woche die 15 Thesen (zum Beispiel „Geschlechtergerechtigkeit ist ein Eckpfeiler unseres Zusammenlebens“ oder „Kulturelle Vielfalt ist eine Stärke“) zur Diskussion stehen, wollen die Initiatoren einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und der kulturellen Integration leisten.

Für Brigitta Eckert vom Verein Lernmobil sind besonders die Aspekte der Bildung und der interkulturellen Öffnung des Gemeinwesens von besonderer Wichtigkeit. Pfarrer Angelo Stipinovich freut sich auf das Zusammenleben in der Vielfalt. Nicht Einfalt, sondern Vielfalt sei unsere Stärke. Selbstverständlich gehöre der Islam zu Deutschland.

Wie die Zahlen der kürzlich veröffentlichten polizeilichen Kriminalstatistik 2017 bewiesen – so Stipinovich – dass die Bundesrepublik Deutschland noch nie so sicher wie heute gewesen ist. Er hält die interkulturelle Woche für eine klare Absage an den Populismus. Scherzhaft merkte er an, dass er sich am meisten darauf freue, gemeinsam mit Bürgermeister Baaß am Kurs „Einführung in lateinamerikanische Tänze“ (13. Juni, Haus am Schlangenpfad) teilzunehmen. Für Bürgermeister Baaß ist das Viernheimer Integrationsmodell ein Erfolgsmodell: „Wir haben keine Probleme, und ich will mir auch keine Probleme herbeireden lassen, von Leuten, die noch nie in einer Begegnungssituation mit Migranten standen.“

Die Auftaktveranstaltung zu „Zusammenhalt in Vielfalt“ war eine moderierte Talkrunde mit Bürgermeister Baaß, Pfarrer Stipinovich, Kibreab Habtemichael („Kebi“), dem Vorsitzenden des Ausländerbeirats, Muzaffer Karagöz sowie Brigitta Eckert in der Kulturscheune – wir berichteten. Ab heute gibt es eine Vielzahl von Workshops, Vorleseabende, Kochkurse und kulturelle sowie religiöse Präsentationen.

Zwei besondere kulturelle Highlights sind Benefizveranstaltungen für soziale Zwecke in Viernheim und Burkina Faso: Die musikalische Weltreise des Landespolizeiorchsters (15. Juni, St. Michael) und das Festmenü „Schlemmen für sauberes Wasser“, das von den Viernheimer Integrationslotsen im Haus am Schlangenpfad am 16. Juni zubereitet wird.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional