Viernheim

Partnerschaft Überschwemmungen in Burkina Faso machen auch Region Silly zu schaffen / Lehrer Bouma Bazié berichtet dem Verein Focus

Wassermassen zerstören Häuser und Ernte

Viernheim.Nach monatelanger Trockenheit kam es zu intensiven Regenfällen. Burkina Faso stelle sich erneut als ein „Land der Extreme“ dar, berichtet Lehrer Bouma Bazié aus der Partnerregion Silly dem Afrikaverein Focus. Derzeit gebe es vor Ort erhebliche Überschwemmungen, die Zerstörungen der Infrastruktur und Einbußen in der Landwirtschaft zur Folge hätten. Auch Silly sei davon betroffen, könnte aber noch glimpflich davonkommen, erklärt Bouma Bazié. „Wenn es nicht schlimmer wird, dann sollte es auch eine gute Ernte geben.“

Andernorts verwandeln sich staubtrockene Straßen in Flüsse, und Häuser aus Lehm werden einfach weggespült. Eigentlich hätten sich die Regenzeiten gegenüber früheren Jahren aufgrund des Klimawandels verkürzt und die Niederschlagsmenge sei rückläufig, berichtet der Pädagoge. Zurzeit sei das Gegenteil der Fall. „2017 war die Regenmenge sogar so gering, dass im Jahr darauf Nahrungsmittelknappheit herrschte. Jetzt zeigt der Regen seine zerstörerische Wirkung“, sagt Bazié, der vielen Viernheimer Schülern durch seine spannenden Ausführungen zum Alltagsleben der Menschen in den Dörfern von Burkina Faso bekannt ist. In seinem Bericht an den Verein Focus beschreibt er die aktuelle Situation. „Die Wettervorhersagen im Radio und im Fernsehen warnten schon im Mai, es bestehe die Gefahr, dass es in Burkina und in der ganzen Sahelzone dieses Jahr viel regnen würde. Die Regenzeit fing sehr seltsam an. Schon im April hat es zwei Mal stark geregnet, und wir dachten, wir würden dieses Mal eine tolle Regenzeit haben. Es war sehr heiß und wir freuten uns auf die sinkenden Temperaturen. Üblicherweise startet die Regenzeit frühestens Ende Mai und geht bis Mitte Oktober. Die Bauern im Zentrum und im Süden hatten schon im April angefangen zu säen.“

Menschen geraten in Panik

Die Menschen wüssten aber aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass die Niederschläge sehr ungleichmäßig fallen, schreibt Bazié. „Nach vier intensiven Regenfällen war es vorbei. Es kam eine Trockenheit, bei der die ersten Jungpflanzen vernichtet wurden.“ Es gab kein Regen bis Ende Juni. Die Bevölkerung – über 90 Prozent der Menschen leben unmittelbar von der Landwirtschaft – sei geradezu in Panik geraten.

Burkina Faso sah sich in dieser Zeit noch mit weiteren Herausforderungen konfrontiert. Das Coronavirus führte zur Schließung von Schulen, Universitäten und Läden sowie zu Ausgangssperren. Durch den Terror dschihadistischer Gruppen machten sich mehr als eine Million Binnenflüchtlinge auf den Weg. Der Streik der Gewerkschaften und Spannungen zwischen der Regierung und der Opposition führten darüber hinaus zu Unruhen.

In dieser Zeit warnte nach Angaben von Bazié der Bürgermeister der Hauptstadt Ouagadougou vor möglichen Überschwemmungen wegen ergiebiger Regenfälle. Die Menschen in den betroffenen Risikogebieten sollten entsprechende Vorkehrungen treffen. Bis Mitte September wurden laut Bazié mehr als 22 000 Menschen vorübergehend in Schulgebäuden untergebracht. „Es sind auch Menschen gestorben.“

Silly mache seine besondere geografische Lage zwischen den beiden größten Flüssen des Landes, Mouhoun und Nazinon, zu schaffen. „Die Wassermassen schießen durch die ausgetrockneten Flussbetten und reißen alles mit sich“, so Bouma Bazié. Familien hätten ihre Häuser verloren, die Felder in der Nähe von Teichen und Wasserläufen stünden unter Wasser. Die sandigen Straßenpisten seien teilweise nicht mehr befahrbar. „Trotzdem haben es die Leute in Silly noch gut“, beendet Bouma Bazié seinen Bericht. JR

Info: Youtube-Video unter https://youtu.be/XTHO0KokvRQ

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