Viernheim

Sozialausschuss Stadt weist auf steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen hin / Kommunale Leseförderung

Weitere Kita erforderlich

Viernheim.„Selbst wenn die neue Kindertagesstätte auf dem TSV-Sportplatz im Januar 2021 im Vollbetrieb ist, haben wir zwei Monate später wieder ein Defizit bei den Plätzen.“ Amtsleiter Josef Benz fasste die Zahlen zusammen, die den Stadtverordneten im Sozial- und Kulturausschuss vorliegen.

Die Verwaltung hat einen Kindertagesstättenentwicklungsplan vorgelegt, der die Zahl der Betreuungsplätze in Viernheim in Relation zum Bedarf setzt. Dabei wird deutlich: Angesichts dieses Platzbedarfs der nächsten Jahre ist es sinnvoll, noch eine weitere Tagesstätte in Viernheim zu errichten. „Wir haben in den vergangenen Jahren viele Zugezogene neu in Viernheim“, erläuterte Benz. Allein im ersten Halbjahr 2019 sei die Bevölkerungszahl bereits um 2,22 Prozent gestiegen. Damit steige auch die Zahl der Kinder, die einen Rechtsanspruch auf Betreuung haben. Der genaue Bedarf an Betreuungsplätzen ist aber schwerlich für einen längeren Zeitraum zu ermitteln, bei Krippenplätzen ist er noch schwieriger einzuschätzen.

Die Verwaltung hat deshalb kalkuliert, wie sich der Bedarf bis Ende 2021 entwickelt. Demnach sei im Sommer jedes Krippen- und Kindergartenkind untergebracht. Aber im Laufe des Kindergartenjahres steigt das Defizit, wenn dann Dreijährige keinen Kita-Platz haben. So gibt es laut der Vorlage der Verwaltung im Oktober 2019 mehr Anfragen als vorhandene Betreuungsplätze. Die Tendenz ist weiter steigend, so dass zum Ende des Kita-Jahres im Juni 2020 voraussichtlich 264 Betreuungsplätze fehlen werden.

Benz nannte noch zwei weitere Faktoren, die die Zahl der Betreuungsplätze reduzieren. Derzeit wird in jeder Einrichtung mit einer Gruppengröße von 25 Kindern kalkuliert. „Der Gesetzgeber empfiehlt allerdings maximal 20 Kinder“, erklärte der Amtsleiter. Sind Integrationskinder im Krippen- und Kindergartenbereich, muss die Gruppen verkleinert werden. „Dadurch verlieren wir derzeit rund 100 Plätze“, erläuterte Benz, „das ist eine komplette Einrichtung“. Die Ausschussmitglieder sprachen sich dafür aus, das Thema und vor allem den anstehenden weiteren Kita-Neubau zeitnah in das Stadtparlament einzubringen.

Romane in einfacher Sprache

Den Ausschussmitgliedern wurde auch die Kommunale Leseförderung vorgestellt. Cathrin Brinzing erörterte die Ziele und Methodik, mit denen das Lesen trainiert und verbessert wird. „Lesen soll ein Erlebnis sein und trotzdem Kompetenz vermitteln“, betonte die Projektleiterin. Lesen sei die Basis, um die deutsche Sprache zu lernen, was wiederum eine bessere Integration möglich mache. 43 Grundschüler und 49 Schüler an weiterführenden Schulen beteiligen sich derzeit an der Leseförderung, die zweimal pro Woche für 45 Minuten angeboten wird. Mit den Grundschülern lesen im Hort am TiB auch Lesepaten, dazu sind Leseprojekte auch eingebunden in Ferienprojekte. So wurde die Geschichte des „Grüffelo“ als Hörspiel aufgenommen, von Kindern, die erst seit drei Jahren Deutsch sprechen.

Auf den weiterführenden Schulen ist die Leseförderung eingebunden in den Unterricht der Intensivklassen. Dazu gehört auch, Jugendromane in einfacher Sprache zu lesen. „Zuletzt haben wir ,Tschick’ gelesen, und die Jugendlichen waren völlig begeistert“, berichtete Cathrin Brinzing. „Die Kosten für diese Leseförderung trägt die Stadt“, sagte Bürgermeister Matthias Baaß auf Nachfrage und verteidigte die Ausgaben: „Das Angebot ist ja nicht nur für Flüchtlinge und Migranten gedacht, es gibt auch Viernheimer Kinder, die an der Leseförderung teilnehmen können und sollen.“

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