Viernheim

Meteorologie Christine Träger-Chatterjee stellt bei den Grünen die europäische Organisation Eumetsat vor

Wetterdaten aus dem Weltraum

Viernheim.Langsam geht einem der bleigraue Himmel auf die Nerven. Jetzt ein schneller Blick in die Wetter-App auf dem Smartphone: Gegen Abend soll sich wohl noch die Sonne etwas zeigen. Dank kreativer Meteorologen stimmen die kurzfristigen Wettervorhersagen mittlerweile meistens. Die Wissenschaftler haben Wettermodelle entwickelt, die sie in Computern zur Vorhersage ablaufen lassen. Aber ohne aktuelle Daten nutzt das beste Modell nichts. An diesem Punkt kommt die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten (Eumetsat) ins Spiel.

Zur Vorstellung der Aufgaben, Arbeitsweisen und Bedeutung dieser Organisation hat der Vorsitzende des Ortsverbandes von Bündnis 90/ Die Grünen, Helmut Träger, seine Tochter, Christine Träger-Chatterjee, eingeladen. Die promovierte Geographin ist bei Eumetsat für die Schulung von Nutzern (Wetterdienste, Doktoranden und Studenten) zuständig.

Der im Jahre 1986 gegründeten Organisation gehören heute 30 Staaten an. Sie hat ihren Hauptsitz in Darmstadt und beschäftigte Ende 2017 mehr als 400 Wissenschaftler, Techniker und Angestellte. Ihr primäres Ziel ist die Entwicklung und der Unterhalt meteorologischer Satelliten sowie Daten zu sammeln und zu verteilen unter Berücksichtigung der Empfehlungen der Weltorganisation für Meteorologie (IMO).

Das – zunehmend wichtiger werdende – sekundäre Ziel von Eumetsat ist es laut Träger-Chatterjee, einen Beitrag zu leisten zur globalen Klima-Überwachung und Veränderungen zu erkennen. Zu diesem Zweck betreibt ihr Arbeitgeber derzeit eine Flotte von elf Satelliten: Vier auf sogenannten geostationären Postionen stehende Meteosat- und drei auf polaren Bahnen laufende Metop-Satelliten sind für die Sammlung von Wetterdaten zuständig. Die Meteosat-Satelliten liefern alle fünf bis 15 Minuten sogenannte Multispektralbilder im sichtbare und infraroten Bereich von einem feststehendem Punkt aus, der sich 36 000 Kilometer über der Erdoberfläche befindet. Metop-Satelliten haben die gleiche Aufgabe, umkreisen die Erde aber auf einer polaren Bahn, so dass sie alle zwei bis drei Tage den gleichen Punkt auf der Erdoberfläche überfliegen.

Für die langfristige Beobachtung von Klimatrends und die Überwachung der Ozeane (Wellenhöhe, Meeresspiegelhöhe, Temperatur, Farbe, Algenbewuchs und Ähnliches) werden die zwei auf polaren Bahnen fliegenden Sentinel- und die beiden auf Bahnen mit mittlerer Inklination kreisenden Jason-Satelliten verwendet. Die aus dem All gewonnenen Daten ergänzen die von Wetterhäuschen und Bojen auf der Erdoberfläche gewonnenen Daten, so dass die Vorhersagen deutlich präziser geworden sind. Mit den Sentinel-Satelliten beteiligt sich Eumetsat auch am Copernicus-Erdbeobachtungsprogramm der EU.

Die Satelliten von Eumetsat liefern riesige Datenmengen. „Deren Speicherung ist inzwischen zu einer echten Herausforderung geworden“, erklärte Christine Träger-Chatterjee. Hauptabnehmer der Daten sind die nationalen Wetterdienste der 30 Mitgliedsstaaten. Aber auch assoziierte Staaten in Afrika können davon profitieren.

Somit sind die von Eumetsat gelieferten Daten nicht nur für die Wettervorhersagen und die langfristige Klimabeobachtung, sondern auch für den Katastrophenschutz und die Wetterwarnung und für die Informationen für den Flug- und Schiffsverkehr von unschätzbarem Wert. Vom Beginn der Entwicklung einer neuen Satellitengeneration bis zu deren Einsatz können 20 Jahre vergehen, so dass die Organisation ständig mit der langfristigen Planung für die Verbesserung seiner Fähigkeiten beschäftigt ist.

Ausdrücklich betonte Christine Träger-Chatterjee, dass Eumetsat keine Wetter- oder Klimamodelle konstruiert. Die Organisation liefere lediglich – die auf ihre Validität hin überprüften – Daten. Die Interpretation nähmen Meteorologen und Klimatologen vor. Die gesammelten Daten legen aus ihrer Sicht eine jährliche Erhöhung des Meeresspiegels um 3,81 Millimeter nahe.

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