Viernheim

Europawahl Grüne auch in Viernheim klarer Sieger / Verluste für CDU und SPD / AfD erreicht überdurchschnittliches Ergebnis

Wieder deutlich mehr Wähler

Archivartikel

Viernheim.Den ganzen Sonntag über verbreiteten Viernheimer in den sozialen Medien die Botschaft: „Ich habe gewählt!“ Und andere riefen die Mitbürger ganz unmissverständlich dazu auf, ihre Stimme bei der Europawahl abzugeben. Vielleicht auch solche Motivationsschübe haben dazu beigetragen, dass die Wahlbeteiligung gegenüber der Abstimmung vor fünf Jahren deutlich gestiegen ist: Damals gaben in Viernheim nur 37,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, jetzt waren es 53,8 Prozent. Die Wähler stellen somit wieder die Mehrheit.

Wie auf Bundesebene sind die Grünen auch in Viernheim klarer Gewinner der Wahl. Sie kamen auf 20,6 Prozent und legten damit um 10,8 Prozentpunkte zu. Die CDU bleibt mit 28,4 Prozent stärkste Partei in der Brundtlandstadt, verlor allerdings 6,3 Prozentpunkte. Deutlich größere Verluste mussten die Sozialdemokraten hinnehmen. Die SPD erreichte nur noch 17,7 Prozent der Stimmen, gegenüber dem Ergebnis von 2014 bedeutet das ein Minus von 12,1 Punkten.

Erneut besser als im Bund hat die AfD in Viernheim abgeschnitten. Die Rechtspopulisten erzielten 12,7 Prozent und konnten sich nochmals um 2,9 Prozentpunkte steigern. Um 3,1 Prozentpunkte zugelegt hat die FDP, die auf insgesamt 6,8 Prozent der Stimmen kam. Die Linke erzielte 3,4 Prozent und schnitt damit um 0,6 Prozentpunkte schlechter ab als bei der vergangenen Europawahl.

„Klimaschutz ausschlaggebend“

„Ich hatte gehofft, dass es so viele Stimmen werden würden“, kommentierte Manfred Winkenbach den Erfolg der Grünen in Viernheim. Der Fraktionsvorsitzende glaubt auch, die Gründe zu kennen: „Klimaschutz, Klimaschutz, Klimaschutz – das ist es, was vor allem die jungen Wähler interessiert.“ Winkenbach sieht ein Signal für die Bundespolitik: „Wir brauchen keine Bremser mehr.“ Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Ergler fordert von der großen Koalition, sich mehr auf Sachthemen zu konzentrieren. Vom Abschneiden seiner Partei in Viernheim ist er enttäuscht: „Aber es drückt eben die derzeitige politische Stimmung in Deutschland aus.“ Ähnlich sieht es SPD-Fraktionschef Daniel Schäfer: „Das Ergebnis überrascht mich nicht. Die SPD ist in einer Abwärtsspirale, die bisher niemand aufhalten konnte.“ An den Inhalten des Wahlkampfs könne es nicht gelegen haben, meinte Schäfer: „Spitzenkandidatin Katarina Barley setzt sich auch für den Klimaschutz ein. Aber von diesem wichtigen Thema haben die Grünen mehr profitiert.“

Tobias Gieding von der FDP hat sich „etwas mehr Stimmen erhofft“. Gleichwohl sieht er einen „Trend in die richtige Richtung. Der befürchtete Rechtsruck ist, zumindest in Deutschland, ausgeblieben.“ Walter Benz (UBV) wies auf die gestiegene Wahlbeteiligung hin, die aber immer noch niedriger sei als im Bund. „Bitter ist, dass die AfD mit 12,7 Prozent über dem Durchschnitt liegt. Damit habe ich nicht gerechnet, das stimmt mich mehr als nachdenklich.“

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