Viernheim

Frauenfußball Viernheimer Mädchen freuen sich auf Beginn der Weltmeisterschaft in Frankreich / Zahlreiche Vorbilder

„Wir können auch gut kicken“

Viernheim.Jasmin muss nicht lang überlegen: „Svenja Huth – mit der bin ich schon mal eingelaufen.“ Auch Anna weiß sofort zwei Namen: „Sara Däbritz und Melanie Leupolz.“ Emma nennt eine weitere Bayern-Spielerin: „Leonie Maier.“ Lisa ergänzt die ehemalige Kapitänin: „Dzsenifer Marozsan.“ Und für Torhüterin Wilma ist natürlich klar: „Almuth Schult.“

Die Fußballmädchen des TSV Amicitia gehören nicht zu denjenigen, die die Namen der deutschen Nationalspielerinnen nicht kennen – wie es in einem Werbefilm zur Weltmeisterschaft der Frauen dargestellt wird. Sie freuen sich darauf, dass am Freitag die WM beginnt und am Samstag das Team aus Deutschland ins Turniergeschehen eingreift. „Wir spielen gegen China“, weiß Victoria. Im neuen Trikot der Frauen-Nationalmannschaft wird sie wie die anderen Nachwuchs-Fußballerinnen am Samstag, ab 15 Uhr, vor dem Fernseher sitzen und schauen, wie sich die Vorbilder schlagen.

„Ich warte schon seit Wochen darauf, dass es endlich losgeht“, kann Linette Hofmann den Anpfiff kaum noch abwarten. „Ich bin richtig gespannt, wie das Niveau ist und vor allem, wie Deutschland spielt.“ Am liebsten wäre Linette natürlich nach Frankreich gefahren, um sich die Spiele live anzuschauen.

Die Viernheimer Juniorinnen-Nationalspielerin kennt sich nämlich bei der Nationalmannschaft gut aus und weiß um das Potenzial: „Der deutsche Kader ist sehr jung, aber es gibt sehr erfahrene Spielerinnen. Ich erwarte viel von Marozsan oder Gwinn, aber auch von Spielführerin Alexandra Popp, meiner Lieblingsspielerin.“ Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg müsse die richtige Mischung zwischen Jung und Erfahren finden, dann habe das deutsche Team sehr gute Chancen auf den Titel. „Na klar, Deutschland zählt zu den Favoriten. Allerdings sehe ich im Moment die USA ein bisschen stärker, aber auch Mannschaften wie Frankreich oder Japan könnten eine große Rolle spielen“, tippt das Nachwuchstalent den Ausgang der WM.

Motivierender Werbefilm

Auswirkungen auf den Frauenfußball in Deutschland, unabhängig vom Abschneiden der Nationalelf, sind dagegen nicht unbedingt zu erwarten. „Nach der WM im eigenen Land, ob 2011 bei den Frauen oder 2006 bei den Männern, hatten wir auch einen großen Zulauf bei unseren Mädchenmannschaften“, erinnert sich Frank Schenkel, Frauen- und Mädchenfußballkoordinator beim TSV Amicitia. „Da war der Fußball in Presse, Funk und Fernsehen aber viel mehr präsent. Bis vor drei Wochen hat man hierzulande nicht gewusst, dass die WM für die Frauen ansteht.“

Die Aufmerksamkeit für das sportliche Großereignis hat vor allen Dingen der Werbespot gebracht. „Den haben wir sogar in der Schule geschaut“, erzählt Ceyda. „Ich finde den cool gemacht, und er motiviert uns Mädchen.“ Auch Emma ist begeistert, wie frech die Werbung ist: „Der Spruch mit den Pferdeschwänzen ist richtig gut!“

Die deutschen Fußballfrauen zählen in dem Film ihre Erfolge wie die acht Europameister- und die beiden WM-Titel auf, kritisieren aber auch die Vorurteile und das öffentliche Bild vom Frauenfußball. „Sie spielen gut, sie haben eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung verdient“, meint Emma. Linette bestätigt ihre Freundin: „Viele Klischees gegenüber dem Frauenfußball sind einfach falsch. Wir können auch ganz gut kicken.“

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