Viernheim

Verwaltung Hans-Uwe Denk kümmert sich um Bäume im öffentlichen Raum / Kataster verzeichnet 8885 Pflanzen / Pflege und Kontrolle kosten jährlich 100 000 Euro

„Wirklich gesund ist kein Stadtbaum“

Viernheim.Hans-Uwe Denk öffnet einen digitalen Stadtplan auf seinem Computer. Dort finden sich entlang der Straßen, auf Friedhöfen, an Sportstätten und auf anderen öffentlichen Flächen zahlreiche grüne Kreise mit langen Nummern. „Jeder Kreis steht für einen Baum“, erklärt Denk. Der staatlich geprüfte Gartenbautechniker ist im Bauverwaltungs- und Liegenschaftsamt unter anderem für die Kontrolle und Pflege der städtischen Bäume zuständig. Der digitale Plan ist Teil des Viernheimer Baumkatasters, in dem zurzeit 8885 Pflanzen verzeichnet sind. Jede einzelne hat ein detailliertes Datenblatt, in dem zum Beispiel die bisherigen Kontrollen, Schäden und Pflegemaßnahmen, aber auch Alter, Höhe und Stammumfang verzeichnet sind.

Eingeführt wurde das digitale Kataster im Februar 2006. „Davor wussten wir nicht genau, wie viele Bäume wir hatten. Auch die Kontrollen waren eher unsystematisch und geschahen in der Regel nach Augenschein“, erklärt Denk, der sich seit 29 Jahren um den Viernheimer Baumbestand kümmert.

Inzwischen beauftragt er einmal im Jahr eine Firma, die alle Bäume kontrolliert und das Kataster mit den so gewonnenen Daten aktualisiert. Da nicht alle Schäden von außen zu sehen sind, kommen bei den Kontrollen gelegentlich auch sogenannte Resistographen zum Einsatz. Diese Geräte verfügen jeweils über einen nur wenige Millimeter dicken Bohrkopf. Damit kann ein Stamm überprüft werden, ohne dem Baum Schaden zuzufügen. Anhand des Bohrwiderstands lässt sich feststellen, ob und ab welcher Tiefe das Holz verfault ist.

Nach der Kontrolle empfehlen die Prüfer Pflegemaßnahmen und bestimmen, mit welcher Priorität Schäden behoben werden müssen. „Bei Gefahr in Verzug schicke ich sofort jemanden hin“, erklärt Denk. Dann entfernen Mitarbeiter von Spezialfirmen zum Beispiel tote Äste aus Kronen oder fällen einen Baum sogar komplett, wenn dieser umzustürzen droht. Städtische Mitarbeiter übernehmen nur einen kleinen Teil der Pflegearbeiten. Denn oft ist dafür zum Beispiel ein Motorsägenschein oder eine spezielle Kletterausbildung notwendig.

Die jährlichen Kontrollen dauern rund sechs bis acht Wochen und werden jedes Mal zu einem anderen Zeitpunkt durchgeführt. „So lassen sich die Auswirkungen der verschiedenen Jahreszeiten erkennen“, erklärt Denk. Bei der letzten Kontrolle in diesem Frühjahr wurden an etwa drei Prozent der Bäume Schäden festgestellt.

108 unterschiedliche Befunde

Das ist laut Denk relativ wenig, was auch damit zusammenhänge, dass der Baumbestand seit der Einführung des Katasters systematisch gepflegt worden sei. 108 unterschiedliche Befundarten können in der Datenbank eingetragen werden. Dazu gehören etwa Beeinträchtigungen durch Hundekot, Arbeiten an Leitungen, Vandalismus oder Streusalz. „Wirklich gesund ist eigentlich kein Stadtbaum“, berichtet Denk.

Kontrolle und Pflege des Baumbestands kosten die Stadt im Jahr zwischen 100 000 und 120 000 Euro. „Das ist aber notwendig, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen“, erklärt Denk. Erst ab Windstärke acht, also bei Windgeschwindigkeiten über 62 Kilometern haftet die Stadt nicht mehr für Sach- oder Personenschäden durch herabfallende Äste oder umstürzende Stämme, so Denk, „denn dann halten auch gesunde Bäume nicht mehr stand.“

Der Gartenbautechniker, der sich auch um die öffentlichen Grünflächen und Spielplätze kümmert, ist häufig draußen unterwegs, um sich selbst ein Bild zu machen. Ein paar Tage nach dem Gespräch im Büro geht er über eine Grünfläche nahe der Levi-Strauss-Allee. In der Hand hält er einen Klemmrahmen mit Kontrollblättern. Denk ist voll in seinem Element. Er deutet nacheinander auf verschiedene Bäume. „Hier steht eine Reihe von Erlen. Die erkennen Sie an den kleinen knoddeligen Früchten“, erklärt er und hebt ein paar davon auf. „Der Baum mit den langen Blättern ist eine Weide. Das Holz bricht sehr leicht und wurde früher zum Korbflechten verwendet.“

68 unterschiedliche Baumarten gibt es im öffentlichen Raum. Sie alle sind im Kataster verzeichnet. Die Datenbank erlaubt Denk zudem Einblicke in die Geschichte des Viernheimer Bestands, denn sie verzeichnet auch mehr als 2000 ehemalige Baumstandorte. „Zu den ältesten erhaltenen Bäumen gehört eine seit etwa 1850 in der Nähe der heutigen Feierabendhalle stehende Eiche.“ Daneben verfügt Viernheim laut Denk über zwei offizielle Naturdenkmäler. Es sind die 1902 gepflanzte Eiche an der Auferstehungskirche und die 1908 gepflanzte Linde am Heimatmuseum.

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