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Literatur regional: Turovskis „Millingers Bart“ bei Andiamo

Neue Wege eines Autors

Archiv-Artikel vom Montag, den 13.06.2016

Von unserer Mitarbeiterin Maria Herlo

Jan Turovski ist ein Schriftsteller, der immer wieder überrascht. In dem siebten bei Andiamo erschienenen Roman "Millingers Bart" begegnen wir noch einmal all dem, was seit Jahren an seinen Werken fasziniert: Fabulierfreude, Menschenkenntnis und hintersinniger Witz. In diesem Roman wagt Turovski jedoch Neues: Mit seiner Hauptfigur David Millinger treibt er ein raffinierte Spiel mit Identitäten und verleiht so dem Buch existenzielle Tiefe.

Millingers Leben verlief im London der 90er Jahre erstaunlich monoton, bis zu jenem Tag, an dem ihm eine Werbung für den Film "The 39 Steps" ins Auge fällt und ihn an sein Alter erinnert. Plötzlich wird ihm bewusst, dass ihm bisher nichts wirklich Aufregendes passiert sei. Er wünscht sich, "etwas Verrücktes zu erleben", etwas, das nur ihm gehört. Kurz darauf wird er in einem Restaurant Zeuge einer ungeheuren Tat, über die er am nächsten Tag in der Zeitung liest: des Mordes an seinem Wirt. Ist das Zufall? Millinger begibt sich auf die Suche nach Erklärungen für das Unerklärliche, nach verborgenen Zusammenhängen. Einem inneren Drang folgend, bricht er aus seinem Leben aus, geht nicht mehr ins Büro, stattdessen streift er durch die Straßen Londons, vor allem durch Soho, das viele Bars, Cafés, Pubs und Märkte beherbergt.

Die skurrile Rahmenhandlung dient Turovski, der selbst einmal in England gelebt hat, als Transportmittel für das Schicksal eines Menschen, der seiner Einsamkeit zu entfliehen sucht. Variationsreich vermisst Turovski die Londoner Topografie, öffnet gleichsam die Tore zur Unterwelt. Und der Buchtitel weist auf etwas hin, das wesentlich ist im Roman: Millingers Verwandlung und seine Doppelrolle als Opfer und Täter. Die Veränderung vollzieht sich in seinem Innern, aber auch sein Äußeres bleibt nicht verschont. Er trägt keine Anzüge mehr, lässt sich einen Schnauzbart wachsen.

Sehnsucht nach Liebe

Der Leser nimmt diese Veränderungen wahr aus dem langen Bewusstseinsstrom, in dem Millinger Vergangenes aufrollt und Gegenwärtiges reflektiert, wobei der Verlust des Wirklichkeitssinns immer klarer hervortritt. Unterschwellig ist immer die Sehnsucht nach Liebe da, nach Frauen wie Ruth, der Jugendfreundin, nach Olivia, deren erotische Rituale er von seiner Wohnung aus beobachtet, oder nach der jungen Jenny, die ihm täglich Tee bringt. Unübertrefflich im Umgang mit der Sprache gestaltet Turovski das ganze Spektrum von Einsamkeit und Aufbegehren, von Begierde und Gewöhnung. Wer den Roman zu lesen beginnt, legt ihn nicht mehr aus der Hand.

© Mannheimer Morgen, Montag, 13.06.2016
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