Innenstadt / Jungbusch

Innenstadt Über den Wandel in den Quadraten T 4 und T 5 berichtet Bewohner Wolffried Wenneis

Nachbarn kommen ins Gespräch

Zwischen Kunstwerken von acht Studierenden der freien Kunstakademie erzählte Wolffried Wenneis aus eigener Erfahrung über den „urbanen Wandel in der Nachbarschaft der Quadrate T 4 und T 5“. Dort, auf dem Gelände der ehemaligen Sickingerschule, wird fleißig gebaut. Entstehen wird ein Wohnkomplex der GBG Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft und das TENon5.

Wenneis überschrieb seinen Beitrag in eigenen Worten mit dem Titel: „Ein Leben in den Quadraten“. Bis auf den Zweiten Weltkrieg habe er von 1937 immer in den Quadraten gelebt, so der Chemiker, der sich in seiner Freizeit als Historiker betätigt. So entdeckte er unter anderem zwischen R 5 und S 5 vor dem Institut für Deutsche Sprache ein historisches Holzpflaster, an dem die Geschichte noch wenig genagt hatte.

Der Chemiker entstammt einer Bäckerfamilie, die in S 2,22 ihre Brote und Brötchen verkaufte. Damals habe es an jeder Ecke eine Bäckerei gegeben, das Quadrat war sehr belebt. Manchmal habe ihn sein Vater mitgenommen und ihm im Café Müller auf den Planken einen Kakao spendiert, was etwas ganz Besonderes war. Den Teilnehmern an diesem Erzählcafé in der ehemaligen Stadtgalerie, zeigte er eine noch original erhaltene schwere Kakao-Tasse aus dieser Zeit.

In der Bombennacht vom 5. auf den 6. September 1943 wurde auch die Bäckerei zerstört. Er selbst lebte zu diesem Zeitpunkt bereits in einem kleinen Ort in der Pfalz. Nach dem Krieg kam er in das fast völlig zerstörte Mannheim wider zurück. Auch die früheren schönen Barockhäuser waren zerstört. Manche Menschen lebten in Ruinen. Vieles wurde nur notdürftig repariert. Das führte auch dazu, dass die Innenstadt an Attraktivität verlor.

Eine Anwohnerin berichtete, dass sie eine große Wohnung hatten, in die immer wieder andere Bewohner untergebracht wurden, um alle Räume zu nutzen. Ihr Vater habe „unter abenteuerlichen Bedingungen“ eine gasbeheizte Dusche installiert, was nicht ungefährlich war. Bis in die 1950er Jahre habe es eine Zuzugsgenehmigung gebraucht, wenn man in der Innenstadt leben wollte. „Vielleicht gibt es deshalb keine ernsthaften Probleme mit Migranten, weil Mannheim immer von Fluktuation geprägt wurde“, vermutete Wenneis.

In den 1990er Jahren gab es Drogenprobleme, berichtete er. Heute solle ein neues, attraktives Wohngebiet entstehen, das gut durchmischt sein solle. Dass dies gelinge, sei auch der Wohnqualität in den Neubauten zu verdanken, so Wenneis. Hier leben Menschen unterschiedlicher Alters- und Sozialstruktur, betonte unter anderem die Moderatorin des Abends, Cathérine Gallier. Viele hätten einen Migrationshintergrund. Das Quartier sei auch nicht durch einen starken Zusammenhalt der Nachbarschaft geprägt. Das liege auch daran, dass es wenig öffentlichen Raum zum Sich-Aufhalten gebe. So kamen an diesem Abend neue Nachbarn erstmals miteinander ins Gespräch.