Kultur

Kunst Landesarchiv Baden-Württemberg widmet Margarethe von Savoyen eine Sonderausstellung in drei Staaten / Vater Felix V. war der letzte Gegenpapst der Geschichte

Die emanzipierte „Tochter des Papstes“

Ihre Lebensgeschichte klingt so fantastisch wie die Handlung eines Romans – und ist doch historisch: Vor 600 Jahren wurde Margarethe von Savoyen (1420-1479) geboren. Der „Tochter des Papstes“ widmet das Landesarchiv Baden-Württemberg eine internationale Sonderausstellung. Die Schau ist die erste zu Margarethe überhaupt, sagte Peter Rückert, Archivdirektor des Hauptstaatsarchivs Stuttgart und Kurator. Seit Donnerstag bis zum 15. Januar sind im Hauptstaatsarchiv rund um das Leben der Fürstin etwa 150 Exponate zu sehen, die Einblicke in die Welt des späten Mittelalters geben.

Die Hauptfigur stammte aus vornehmen Haus: Ihre Eltern waren Herzog Amadeus VIII. von Savoyen und Marie von Burgund. Um sie 1420 vor der Pest zu schützen, schickte Margarethes Vater seine schwangere Frau und die Kinder an den Genfer See. Amadeus VIII. wurde 1439 zum Papst gewählt und war für zehn Jahre als „Felix V.“ der letzte Gegenpapst der Geschichte.

Dreimal war Margarethe verheiratet – zuerst mit Ludwig III. von Anjou, Titularkönig von Sizilien und Neapel: Sie war erst elf Jahre alt. Drei Jahre später trat sie eine Schiffsreise zu ihm an. Wenige Monate nach ihrer Ankunft starb ihr Mann im Krieg. 1445 heiratete sie Kurfürst Ludwig IV. von der Pfalz. Doch bereits fünf Jahre später starb auch der. Die Ehe mit Graf Ulrich V. von Württemberg währte länger: Margarethe sollte die zweite Hälfte ihres Lebens in ihrer Residenz im Stuttgarter Schloss an der Seite Graf Ulrichs verbringen. In Württemberg starb sie dann auch.

Kunstvolles päpstliches Messbuch

Gemeinsame Stiftungen wie die Gründung eines Klosters in Stuttgart oder Geschenke wie eine Armbrust zeugen von der engen Verbindung zwischen den Eheleuten. Auch dass Margarethe ihren Schmuck abgab, um ihren Ehemann 1462 aus der Gefangenschaft des Pfalzgrafen zu befreien, spricht für ihre Liebe.

In der Schau ist ein Teil ihres Schriftwechsels, der sich mit etwa 150 Briefen erhalten hat, zu sehen; auch alle Heiratsverträge der „Tochter des Papstes“ und Bilderhandschriften, die sie in Auftrag gegeben hat, aus der Universitätsbibliothek Heidelberg. Die Briefe zeigten, wie sie aus den Schatten ihrer Männer heraustritt und selbstständig diplomatisch agiert. Weitere Höhepunkte sind das mehr als zwei Meter lange Testament von Amadeus VIII. auf Pergament oder ein kunstvolles päpstliches Messbuch.

Die anderen Stationen der Schau sind 2021 Turin und der Geburtsort der Fürstin, das schweizerische Morges am Genfer See. 

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