Mannheim

Serie (Kandidat 4) Uschi Krieger nominiert Josef Schuppe für "Äfach de Beschde" / Er unterstützt sie in jeder Lebenslage - vor allem seit der Erkrankung ihres Mannes

"Einfach machen statt lange diskutieren"

Mannheim.Mit einer Starkstromleitung hat alles angefangen - eine besondere Freundschaft, "von der aber eigentlich nur wir profitieren", sagt Uschi Krieger und schaut Josef Schuppe an. Ihr Nachbar winkt ab. Er ist bescheiden, für ihn ist die Hilfe in allen Lebenslagen auch nach 34 Jahren immer noch eine Selbstverständlichkeit. Und das bewundert die Neckarauerin an ihrem Freund - für sie ist der 65-Jährige "Äfach de Beschde". Mit einer zweiseitigen Nachricht an den "Mannheimer Morgen" begründet Uschi Krieger ihre Nominierung, über die ab 23. Dezember die "MM"-Leser entscheiden.

Auch im Gespräch mit dieser Zeitung erinnert sie sich 34 Jahre zurück, an die besagte Stromleitung: Das Ehepaar Krieger zieht von Regenburg nach Mannheim, nach Neckarau, in die Nähe von Josef Schuppe. Die Bagger mit den Fertighausteilen stehen vor der noch nicht vorhandenen Tür. Aber was fehlt? Strom! Dafür sorgt in Windeseile der unbekannte Nachbar. Mehr als drei Jahrzehnte hält diese Verbundenheit mittlerweile. Besonders intensiv wird der Kontakt aber vor wenigen Jahren. Karl-Friedrich Krieger, emeritierter Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Uni Mannheim, erkrankt an Alzheimer.

Gespür eines Freundes

Das Leben von Uschi Krieger ändert sich schleichend - wie der Gesundheitszustand ihres Mannes. Die Hilfe wird nötiger. Die 74-Jährige steht alleine da - mit einem zu pflegenden Mann, mit einem Haus, mit dem Garten. In dieser Zeit ist Josef Schuppe da, hilft, aber erkennt auch: Uschi Krieger braucht Luft für sich. "Josef war einer der ersten, der gespürt hat, dass ich es alleine nicht schaffen würde." Die Lehrerin für Deutsch, Geschichte und katholische Religion, die am Karl-Friedrich-Gymnasium unterrichtete, ist dankbar für die Unterstützung. Es gehe nicht nur um handwerkliche Aufgaben, "obwohl mein Mann und ich schon immer nur, ich sage mal, eher bescheiden praktisch begabt waren".

Josef Schuppe berät Uschi Krieger auch. Er vergleicht Angebote von Handwerkern, überwacht den Bau - oder legt eben gleich selbst das Fundament. "Einmal kam Josef zu mir, und ich habe ihm erzählt, dass ich mit dem Rollstuhl meines Mannes nicht über die Schwelle der Tür komme", sagt Uschi Krieger. "Kurzer Zeit später hat er bereits ausgemessen, Holz geschnitten und eine kleine Rampe installiert."

Josef Schuppe ist ein Mann der Tat - das ist auch sein Motto und seine Motivation. "Einfach machen statt lange diskutieren", sagt er. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Macher-Typ - wie ein weiteres Erlebnis zeigt: Eines Tages bekommt Josef Schuppe einen Anruf. Uschi Krieger. Sie ist aufgelöst. Steht mit ihrem Mann auf der Straße, das Vorderrad des Rollstuhls ist gebrochen. "Wir wollten einfach nur spazieren gehen. Es war schön - und dann das."

Der 65-Jährige fackelt nicht lange, setzt sich mit seiner Frau ins Auto und fährt hin. Er kippt den Rollstuhl mitsamt Karl-Friedrich Krieger auf die Hinterräder und schiebt ihn den ganzen Weg nach Hause. "Das war körperlich nicht so anstrengend", sagt er bescheiden. Eine Selbstverständlichkeit eben. Für Uschi Krieger ist ihr Nachbar, "das Beste, was uns widerfahren ist. Freunde, die wissen, was nötig ist, damit das Leben Qualität hat." Josef Schuppe ist es wichtig, "dass Uschi sich regenerieren kann, damit sie durchhält".

Als Alzheimer bei Karl-Friedrich Krieger diagnostiziert wurde, schafft Schuppe intensiver Freiräume für seine Nachbarin. "Ich bin öfter mit ihm in seine Heimatstadt Weinheim gefahren, wir waren spazieren, hatten richtig viel Spaß. Das war für alle toll." Mittlerweile organisiert Josef Schuppe jedes Jahr den Geburtstag von Uschi Krieger. "Ich muss mich um nichts kümmern, kann für meine Gäste voll da sein", erzählt sie, denn ihr Nachbar und Freund übernimmt die Führung. Wenn Stühle fehlen, besorgt er sie, wenn Kaffee fehlt, kommt er mit der Kanne, wenn irgendwo Besteck fehlt, ist Josef Schuppe mit Kuchengabel und Löffel zur Stelle. Der Mannheimer sieht genau, wo er gerade helfen muss. Das zeigt sich auch beim Gespräch im Wohnzimmer, als Uschi Krieger ihren Mann im Rollstuhl in den Raum fährt. Der 77-Jährige schläft, öffnet aber kurz die Augen, blinzelt, weil ihn die Sonne blendet. Josef Schuppe steht wortlos auf und zieht die Jalousie ein Stück runter, der Schatten bedeckt nun das Gesicht von Karl-Friedrich Krieger. Und das ist einfach typisch Josef Schuppe, typisch Macher-Typ.

Am kommenden Donnerstag stellen wir einen Lehrer vor, der den Geschmack der Schüler trifft.

Zum Thema