Ratgeber

Stricken, Nähen, Häkeln: Die Vorteile von Handarbeit im Schulalltag

Archivartikel

Im schulischen Alltag sehen sich Lehrer heute häufig mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Die zunehmende Digitalisierung bringt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken für Lernerfolge mit sich. Leistungsdruck und verschiedene soziale Ausgangssituationen erschweren das Finden einer gemeinsamen Basis in Klassen. Handarbeit könnte hier als zusätzliches didaktisches Werkzeug dienen und wichtige Entwicklungsaufgaben unterstützen.

 

Frustrationstoleranz: Lernen, locker zu bleiben

Kindern und Jugendlichen fällt es nicht immer leicht, mit Rückschlägen umzugehen. Schwierige Aufgaben in mehreren Anläufen zu bewältigen und dabei häufiger zu scheitern, offenbart bei einigen Schülern und Schülerinnen große Defizite im Bereich der Frustrationstoleranz. Das bedeutet, dass im Falle von Niederlagen und Schwierigkeiten große Hilflosigkeit eintritt, die folglich zu Wutausbrüchen, Verweigerung und Verzweiflung führt. Mangelnder Frustrationstoleranz aber lässt sich im gewöhnlichen Unterrichtsgeschehen kaum entgegenwirken.

 Mit Handarbeit lässt sich an der Fähigkeit, Frustration auszuhalten und zu überwinden, arbeiten. Ein guter Einstieg ist das gemeinsame Gestalten an der Nähmaschine, denn hier müssen sich Kinder ein neues Tätigkeitsfeld erschließen und erhalten zeitgleich ein sofort sichtbares Ergebnis ihrer Fortschritte. Wichtig ist es, geeignete Maschinen auszuwählen, die auf die kindlichen Bedürfnisse ausgerichtet sind. Ein Test für Kindernähmaschinen geht konkret hierauf ein, sodass die Kaufentscheidung seitens der Schule von Expertenseite unterstützt wird.

 

Kognitives Leistungspotenzial: Vernetzung fördern

Das menschliche Gehirn befindet sich in einem stetigen Wandel. Und während sich der Aufbau neuer Vernetzungen bei Erwachsenen immer schleppender gestaltet, fällt es in jungen Jahren leicht. Mit Handarbeit, die das beidhändige Schaffen erfordert, wird auch das Gehirn trainiert. „Kreative Erfahrungen textiler Techniken führen zu immer neuen Ausdrucksformen und nicht zuletzt auch wegen der neurodidaktischen Bezüge, dass nämlich, so konstatieren immer mehr Didaktiker, alle Tätigkeiten, die eine gewisse Übung der Beidhändigkeit als Voraussetzung haben (Sport, musikalisches Tun, textiles Gestalten etc.) im Gehirn zu einer hohen Vernetzung führen, die sich positiv auf die menschliche Entwicklung auswirkt.“ (Quelle: https://www.waldorf-cottbus.de/media/1032/handarbeit_als_bildungsauftrag.pdf)

Folglich könnte sich das Arbeiten mit Nähmaschinen, Häkel- sowie Stricknadeln und unterschiedlichen Materialien positiv auf viele verschiedene kognitive Vorgänge auswirken. Eine gute Vernetzung von linker und rechter Gehirnhälfte nämlich macht es Kindern leichter, auch Aufgaben zu bewältigen, die eine gewisse Transferleistung erfordern und sowohl analytisches als auch kreatives Denken erfordern.

 

Konzentrationsfähigkeit: Fokussieren lernen

Handarbeit aller Disziplinen erfordert ein ruhiges und konzentriertes Beschäftigen mit der Materie. Wer hier zu schnell vorgeht, nicht gründlich nachdenkt und Aufgaben lediglich oberflächlich bearbeitet, verliert schnell den Überblick und erhält keine schönen Ergebnisse. Da Kindern und Jugendlichen für gewöhnlich viel daran liegt, ihre Ziele zu erreichen, muss die persönliche Konzentrationsfähigkeit ausgebaut werden.

 Am wichtigsten ist es in diesem Fall, ein ruhiges Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem die Schüler und Schülerinnen weitestgehend ablenkungsfrei wirken können. Lehrkräfte tun gut daran, ihre Klassen in Kleingruppen zu beschäftigen, um im Einzelfall Unterstützung leisten zu können. Mit klassischer oder anderweitig entspannender Musik fördern sie ein altersgerechtes Setting, in dem Konzentration leichter fällt. Und je länger das Handarbeitsprojekt andauert, desto leichter wird es den Kindern und Jugendlichen fallen, sich auch in anderen Unterrichtsfächern ruhig und konzentriert zu verhalten.

 

Entspannung und Ausgleich: Ruhe finden im Schulalltag

Schulstress ist ein Thema, das alle Schulformen beschäftigt. Ab der ersten Klasse bis hin zum Abitur sind Schüler und Schülerinnen heute einer Vielzahl an Anforderungen ausgesetzt, die es im besten Fall erfolgreich zu meistern gilt. Gute Noten zu schreiben, gut in das soziale Netz eingebunden zu sein, alle wichtigen Pflichten zu erledigen und ganz nebenbei auch noch einem Hobby nachzugehen, kann jedoch an der seelischen Substanz zehren. Schulen tun daher gut daran, ihrer Schülerschaft Möglichkeiten zum Ausgleich anzubieten.

 Und während die Schillerschule in Bensheim an der Bergstraße Singpausen als Entspannungslösung anbietet, könnte anderenorts auch Handarbeit hierzu dienen. In diesem Fall aber ist es entscheidend, Schüler nicht unter Druck zu setzen und den Leistungsgedanken zu gering wie möglich zu halten. Noten auf Handarbeitsprojekte zu geben, kann hier folglich kontraproduktiv sein. Besser ist es, Kinder und Jugendliche einen Raum zu bieten, in dem sie sich frei entfalten und kreativ betätigen können. Nach einer solchen Stunde ist es ihnen dann möglich, erholt in den Unterrichtsalltag zurückzukehren.

 

Feinmotorik: Gut für die Handschrift

Eine gut leserliche Handschrift galt jahrelang als unverzichtbar für Schulkinder. Schon in der ersten Klasse wurde daher viel Aufwand betrieben, um Kinder bei der Entwicklung feinmotorischer Fähigkeiten zu unterstützen. Heute hat sich das teilweise gewandelt und Leserlichkeit sowie Ästhetik der Handschrift rücken aufgrund der Wichtigkeit anderer Themen in den Hintergrund. Das jedoch kann zu Problemen führen, denn an weiterführenden Schulen bringen handschriftliche Mängel nicht selten schlechtere Zensuren mit sich.

 Auch praxis-foerderdiagnostik.de spricht das an und nimmt Bezug auf einen Artikel, in dem Grundschullehrer die Gründe für mangelhafte Handschrift erörtern sollten. Zu den Hautverursachern gehören laut des Kollegiums in diesem Fall mangelhafte Feinmotorik, wenig Übung im häuslichen Umfeld und die Digitalisierung. Das jedoch kann nicht alles sein, wie Praxis Förderdiagnostik zu bedenken gibt. Auch die Notwendigkeit didaktischer Veränderungen könnte Erfolge mit sich bringen. Handarbeit bringt hier das Potenzial mit sich, Feinmotorik zu schulen und die handschriftlichen Fähigkeiten ganz nebenbei zu optimieren.