Seckenheim

Seckenheim Auch nach dem dritten Bürgerdialog bleibt die Zukunft des Kasernengeländes strittig

Sportliche Nutzung von Stem stößt bei Anwohnern auf Skepsis

Archivartikel

Auch die Bebauung der ehemaligen Stem-Kasernen mit einem „Sportpark“ findet bei den unmittelbaren Nachbarn in Suebenheim keine Zustimmung. Dies ist das Ergebnis des dritten „Bürgerdialogs“ über die Zukunft des Kasernenareals, bei dem diese Idee erstmals neben den bisher bekannten Vorschlägen als neue „Variante 4“ vorgestellt wurde.

Zwei Bürgerveranstaltungen hat es schon gegeben, in denen die künftige Nutzung des drei Hektar großen Geländes diskutiert wurde. Beim vergangenen Mal wurden drei Varianten vorgelegt – von eher locker bis ganz dicht bebaut. Bei den Anwohnern im Ortsteil Suebenheim löste keine davon Begeisterung aus.

Eine neue Variante

Doch nun, in der dritten Runde, zu der sich gut 200 Interessierte im evangelischen Gemeindesaal einfinden, kommt eine neue, die vierte Variante hinzu: zu je einem Drittel Bebauung mit Mehr- und Einfamilienhäusern, für gewerbliche und künstlerische Nutzung als „Kreativhof“ im Zentrum (vor allem in den bestehenden Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen und daher erhalten werden müssen) und – neu – als Sportpark. Dieser Bereich soll eine sogenannte Kalthalle, eine Dreifeldhalle, ein Lehrschwimmbecken und ein Beachballfeld umfassen.

Wie es zu dieser neuen Variante kommt? Anfangs wollte die Verwaltung den neuen Sportpark für Seckenheim im Klettengewann anlegen. Wegen der Nähe zur Bebauung lehnte der Bezirksbeirat die Idee im September ab und plädierte für den Riedweg. Da dieser aus Sicht der Verwaltung nicht umsetzbar ist, schlägt sie jetzt das Stem-Gelände vor.

„Dieser Standort ist im Moment ohne Alternative“, betont Andreas Hänssler, Chef der TSG, die vor der Veranstaltung eine kleine Demo und einen Info-Stand für diesen Standort abhält. Stem sei in zwei bis fünf Jahren realisierbar, der Riedweg „erst in Dekaden. Und bis dahin wäre der Verein tot“, warnt Hänssler. Denn derzeit ist die TSG mit ihren 2600 Mitgliedern, darunter 1500 unter 16, gezwungen, bis zu 19 verschiedene Sportstätten in- und außerhalb von Seckenheim zu nutzen.

„Keine der hier vorgestellten Varianten entspricht auch nur im Ansatz unseren Vorstellungen“, macht dagegen der Ko-Sprecher der Bürgerinitiative, Darius Khoschlessan, klar. Stattdessen fordert er eine teilweise Renaturierung des Areals und die Schaffung zusätzlichen Lärmschutzes. Auch die sportliche Nutzung lehnt er ab: „Ein Gelände direkt an der Autobahn ist dafür nicht geeignet“, betont er etwa unter Hinweis auf die Feinstaubbelastung.

„Wenn ich mir das anhöre, komme ich aus dem Kopfschütteln nicht heraus“, unterstützt ihn ein Familienvater: „Ich werde meine Kinder zum Sport niemals auf das Stem-Gelände schicken.“ „Wenn Ihr dort einen Sportplatz machen wollt, müsst Ihr ihn vergittern“, warnt ein Altsiedler aus Suebenheim: „Sonst habt Ihr die Kinder auf der Autobahn.“

Was passiert ohne Konsens?

Eine zentrale Frage des Abends: Was passiert, wenn es keinen politischen Konsens über die künftige Nutzung gibt, mithin also keinen Bebauungsplan und auch keinen Erwerb des Geländes durch die Stadt? „Dann bleibt es im Besitz des Bundes“, antwortet Martina Block von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA): „Dann bleibt im Grunde also alles so, wie es derzeit ist.“

Da kommt stürmischer Beifall auf im Saal. „Ich muss Ihre Euphorie etwas bremsen“, betont der Konversionsbeauftragte der Stadt, Klaus-Jürgen Ammer: „Keine soziale Kontrolle bedeutet Vandalismus. Und keine Pflege des Geländes bedeutet Schädlinge für die Nachbarschaft.“

Wie geht es weiter? Aus all dem Gehörten will die Verwaltung nun eine Beschlussempfehlung an den Bezirksbeirat erarbeiten. Danach geht diese an die Gemeinderäte.

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