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Rheinau Vier Schüler der siebten und achten Klassen befreien Bäume von überflüssigen Ästen

Mehr als nur Spaß im Wald

Archivartikel

Im Dossenwald fand kurz vor den Sommerferien eine waldpädagogische Aktion mit Schülern der Rheinauschule-Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) zum Thema Wertastung, also eine Astreinigung zur Wertsteigerung von Bäumen, statt.

Die Teilnehmer lernten die Bedeutung der Wertastung und das richtige Vorgehen anhand zahlreicher Beispiele kennen. Frank Hoffmann ist Diplom-Biologe und arbeitet als staatlich zertifizierter und selbständiger Waldpädagoge für das Waldhaus in Käfertal Waldpforte und als externer Mitarbeiter bei Förster Norbert Krotz im Revier Rheinau. Er demonstrierte den vier Schülern der siebten und achten Klassen sowie ihrer Lehrerin die Methoden und Arbeitsgeräte zur Wertastung von Nadelholz.

Als Team arbeiten

Die Aktion fand im Rahmen der Berufsorientierung an der Rheinauschule-SBBZ statt und wurde zum wiederholten Mal von dem Förderverein der Schule finanziert. „Die Schüler können zwischen Holzarbeiten, Kosmetik und Forstwirtschaft frei entscheiden“, erklärte Lehrerin Carmen Wagenblast. Drei der Schüler hatten schon mehrmals an waldpädagogischen Aktionen teilgenommen. „Das hat Spaß gemacht“, sagte Eren. „Warum machen wir das hier?“ fragte der Waldpädagoge. „Weil die Bäume dann mehr wert sind und es mehr Geld dafür gibt“, erwiderte René.

Guiseppe, der bereits viermal an der Aktion teilgenommen hatte, kannte sich mit den Werkzeugen gut aus. „Da muss man eine Japansäge nehmen“, wusste er. „Die darf man nicht drücken, sondern ruckartig durchziehen, damit der Ast nicht ausreißt.“ Der Waldpädagoge legte Tanja, die zum ersten Mal mitmachte, noch einmal persönlich die Bedeutung der Wertastung nahe und zeigte ihr, wie man richtig vorgeht. Astigkeit stelle neben Durchmesser und Stammform das wichtigste Qualitätskriterium bei der Produktion von Wertholz dar. Ausschlaggebend sei die Tatsache, dass der Hauptteil des Wertes eines Baumes im untersten Stammabschnitt liegt. Mit einer optimalen Astreinigung in diesem Bereich lasse sich die wirksamste Wertsteigerung erzielen, weil der Ast dann nicht in den Baum reinwüchse und kein Astloch entstehe.

„Die Astung muss nach fünf Jahren wiederholt werden“, sagte Hoffmann. Während die Jungen und ihre Lehrerin die Nadelholzstämme von Brombeer- und anderem Gestrüpp befreiten, sägte Tanja zusammen mit dem Waldpädagogen die unteren Aststümpfe ab. Nur bei den Ästen ganz oben musste René, der etwas größer war als die anderen, aushelfen. „Waldpädagogik ist immer auch Teamarbeit“, so Hoffmann.

Körperliche Erfahrung

Neugierige Spaziergänger blieben stehen und beobachteten die Jugendlichen bei ihrer Arbeit. „Das macht ihr aber gut“, meinte eine Frau. „Man sollte die Förderschüler nicht unterschätzen“, betonte Hoffmann. Sie seien gleichaltrigen Schülern an anderen Schulen handwerklich weit voraus. Bis zu 19 Bäume hätten sie schon bei einer Aktion geschafft. Und Revierförster Krotz sei voll des Lobes gewesen für die sauber und richtig ausgeführte Aktion.

Durch die Wertastung bekämen die Schüler schon in der Schule einen ersten Eindruck, was es für Berufe gibt, wie zum Beispiel die ausbildung zu einem Forstwirt. „Mir und auch dem Waldhaus ist es wichtig, dass die Schüler erst mal körperlich Erfahrung machen und ein Erfolgserlebnis haben“, so Hoffmann. „Im Wald können sie etwas leisten und das erfahren sie sonst nicht oft“, so Hoffmann.

„Wenn man was leisten will, ist das immer mit Arbeit verbunden“, erklärte der Waldpädagoge. „Und ein bisschen was lernen die Schüler bei der Waldpädagogik auch“, meinte er.